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Weitere Gefechte am Dom ?

Die Theorie

Nach der Ausschaltung des Panthers am Dom hat es laut Rheindorf auch noch einen mehr als einstündigen Kampf hinter dem Dom Richtung Brücke gegeben und einige amerikanische Panzer seien danach nicht mehr gefechtsbereit gewesen. Tenor dieser Äußerung: diese amerikanischen Panzer sind abgeschossen worden.

Woraus bezieht er diese Auffassung, die Panzer seien nicht mehr gefechtsbereit gewesen ?

Er bezieht sich auf einen Eintrag in einem amerikanischen Einsatz-Report "Record of events" vom 07. März 1945. Dort steht unter anderem:

"7 Mar 45--Co reached Rhine River 17.00 6 Mar 45.   ...   Some tanks being moved back for Maint. Weather Fair Morale Very Good."
Zitat aus dem Bericht

Übersetzung:
"7. März 1945 -- Die Company (Einheit) erreichte den Rhein um 17.00 Uhr am 6. März 1945.   ...   Einige Panzer sind zur Wartung gebracht worden. Wetter heiter Moral sehr gut"

Meine Meinung

Bei der Betrachtung der DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" von Hermann Rheindorf fällt mir immer wieder die sehr freizügige Auslegung und Darstellung von Textstellen in den gezeigten historischen Dokumenten auf. Etwa bei dem privaten Brief von Miller an Smoyer oder der Auslegung des Einsatzbuches zu dem Thema, ob der Dom zerstört werden sollte. Beim privaten Brief von Miller werden z.B. Textstellen in eine andere Reihenfolge gebracht und ihnen dadurch ein anderer Sinn gegeben und Auslegungen gemacht, die der eigentlichen Intention des Dokuments widersprechen.
Auch vorliegend haben wir wieder eine Textstelle in einem Dokument, die von Rheindorf recht frei in eine seine Theorie unterstützende Weise ausgelegt wird. Denn daß die Panzer tatsächlich in einer Gefechtssituation am Dom am Abend des 6. März 1945, nach dem eigentlichen Panzerduell am Dom, beschädigt wurden, steht in dem Dokument überhaupt nicht ausdrücklich drin.

Bei ganz neutraler Betrachtung bedeutet dieser Satz mit der Wartung auch nicht unbedingt, daß hier Panzer in einem letzten Gefecht am Dom zerstört oder beschädigt worden sind.

Man muß bei Auslegung des Satzes vielmehr auch berücksichtigen, daß die US-Truppen auf dem aufreibenden Vormarsch von der Rur bis nach Köln einiges erlebt haben, sich an den Panzern auf diesem Weg vermutlich einige Fehlfunktionen oder Beschädigungen angehäuft haben und die Truppen nicht viel Zeit gehabt haben, diese Fehler umgehend zu beseitigen. Fehler wie z.B. defekte Funkgeräte oder Turmmotoren oder Getriebeprobleme, mit denen Panzer aber durchaus noch einsatzbereit bzw. gefechtstauglich waren. Nun hatte man in Köln den Rhein erreicht, die Verbindungen zur anderen Rheinseite waren zerstört, diese Rheinseite war gesichert und Kämpfe waren in den kommenden Stunden oder Tagen erst einmal nicht zu erwarten. Das Wetter war gut, die Moral der Truppe serh gut. Also keine ernste Kampfstimmung. Letztendlich nahmen sich die Amerikaner ja sogar einen Monat Zeit, die andere Rheinseite zu erobern. Es war somit eine Art gesicherte Zwischenstation.

Was lag näher, als diese Tage zu nutzen, in den Kampftagen aufgeschobene Wartungen vorzunehmen und die Panzer zu den Wartungseinheiten zu bringen und sie somit für zukünftige Operationen wieder voll funktionsfähig zu machen ?

Meiner Auffassung nach belegt der Satz also nicht Rheindorfs Schlußfolgerung, es hätte noch Gefechte gegeben, bei denen die Amerikaner einige Panzer durch Abschuß verloren haben. Schießereien gab es nach verschiedenen Darstellungen wohl schon. Aber zu diesem Zeitpunkt nach dem Panzerduell sind vermutlich nur noch einzelne deutsche Soldaten in diesem Bereich. Ob zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch ein deutscher Panzer im Bereich hinter dem Dom war, der auf die amerikanischen Panzer hätte schießen können, ist vollkommen unklar. Rheindorf benennt zwar einen Oberleutnant Gottfried, der mit seinem Panzer angeblich dort am Dom abgeschossen worden sein soll, aber diese Angabe beruft sich alleine darauf, daß 1. Gottfried mit seinem Panzer (irgendwann an diesem Tag) auch am Dom war und 2. er abgeschossen worden ist.
Dafür, daß es auch am Dom war, wo er abgeschossen worden ist, gibt es jedoch keine Belege, diese Verbindung wird auf der DVD nicht bewiesen.

Jedenfalls enthalten die amerikanischen Militär-Berichte zu diesem Tag keinerlei Informationen, die auf weitere Gefechte zeitlich nach dem Panzerduell und insbesondere auch unter Beteiligung eines weiteren deutschen Panzers, schließen lassen würden.

Die Uhrzeit des Erreichens des Rheins gemäß dem o.g. amerikanischen Tagesreport lautet 17.00 Uhr. Dies deckt sich mit den Informationen, nach denen gegen 17.00 Uhr die ersten amerikanischen Soldaten im Dom erschienen sind. Diese hätten den Dom sicher nicht betreten, wenn im Inneren des Doms, insbesondere im hinteren, zum Rhein hin gelegenen Teil des Doms noch deutsche Soldaten vermutet worden wären, was ja mindestens so lange nicht auszuschließen gewesen wäre, so lange das Areal hinter dem Dom noch nicht erschlossen gewesen wäre.

Sollte also tatsächlich gegen 17.00 Uhr der Bereich Dom schon soweit sicher gewesen sein, daß der Rhein erreicht worden war bzw. man sich im Dom befand, dann war nach dem zuvor stattfindenden Panzerduell ohnehin nicht mehr soviel Zeit, wie sie Rheindorf für Gefechte im von ihm angegebenen Umfang ansetzt. Das letzte Panzerduell Pershing / Panther dürfte in etwa um ca. 16.00 Uhr stattgefunden haben. Der Panther war in Brand geschossen, die Filmaufnahmen von Bates und Rosenmann zeigen noch einige Zeit den brennenden Panther. Keine Soldaten passieren ihn in diesem Moment. Inklusive der Klärung der Situation dürfte es noch einige Zeit in Anspruch genommen haben, bis die Amerikaner tatsächlich den Vormarsch zum Rhein weiter fortsetzen konnten. Vor etwa 16.45 Uhr werden sie den abgeschossenen Panther nicht passiert haben.
Für mehr als einstündige Gefechte war die Zeit bis 17.00 Uhr also sicher nicht mehr ausreichend.

Nun wirft Rheindorf auf seiner DVD aber auch ein, daß die amerikanischen Soldaten wohl vermutlich erst viel später am Rhein gewesen seien als bisher vermutet. Er zeigt einen Ausschnitt aus einem amerikanischen Militärbericht, gemäß dem man gegen 18.45 Uhr am Rhein gewesen sei und im gleichen Militärbericht wird auch eine Frage protokolliert, ob ein Truppenteil "in der Nacht zum Rhein hinunter gehen wolle".

" ... and asked if ... was going down to river tonite. Was told yes. "
Zitat aus dem Militärbericht

Übersetzung:
"... und fragte, ob ... diese Nacht zum Fluß herunter gehen würde. Das wurde bejaht."

Gerade die letztgenannte Textstelle mit der Formulierung "herunter gehen" trifft es aber wohl auf den Kopf. In der Tat wird man davon ausgehen können, daß mit dem Erreichen des Rheins um 17:00 Uhr nicht gemeint war, daß ein amerikanischer Soldat direkt am Rheinufer stand, quasi am Geländer der Uferbefestigungsmauer in der Altstadt.
Das wäre auch keine gute Idee gewesen. Die andere Rheinseite war noch in deutscher Hand, die verbleibenden deutschen Soldaten dort warteten auf das Vorrücken der Amerikaner von Westen her Richtung Rhein. Ein unmittelbar am Rheinufer stehender amerikanischer Soldat hätte sich also auch gleich eine Zielscheibe vor die Brust halten können. Es war daher für die Amerikaner schon aus diesem Grunde sicher kein erstrangiges Ziel, am Abend des 6. März 1945 in kompletter Stärke noch direkt bis unmittelbar ans Rheinufer vorzurücken. Das war auch nicht notwendig, da erkennbar war, daß sich dort am West-Ufer keine deutschen Soldaten mehr befanden, die man gefangen nehmen mußte.
Wer die Kölner Altstadt kennt, weiß zudem, daß der Dom und seine unmittelbare Umgebung auf dem sogenannten Domhügel steht, einer kleinen Erhebung, die ein nicht ganz unerhebliches Stück über dem Rhein bzw. dem Rheinufer-Niveau liegt. Auch in den anderen Teilen der Altstadt gibt es einen markanten Höhenunterschied zwischen dem unmittelbaren Rheinufer-Bereich und den etwa 200 m weiter landeinwärts gelegenen Stadtbereichen.
Und so ist offensichtlich auch das "herunter gehen" im amerikanischen Militärbericht zu verstehen. Man stand am späten Nachmittag des 6. März nur auf dem Domhügel, noch knapp 200 Meter vom eigentlichen Rheinufer entfernt. In der Deckung der dortigen Hausruinen bzw. des Hauptbahnhofes konnte man den Rhein bereits gut sehen, war aber lediglich noch nicht zu ihm herunter gegangen, direkt an die Uferbefestigung.
Aus der Sicht der amerikanischen Soldaten, die möglicherweise zudem in den verschiedenen Einheiten an verschiedenen Teilen der Stadt den Ehrgeiz besaßen, die Ersten "am Rhein" zu sein, war dies offenbar schon ausreichend, vom Erreichen des Rheins zu sprechen, obwohl noch 200 Meter bis zur Ufermauer fehlten.

Nach alledem wird man aber davon ausgehen können, daß tatsächlich die amerikanischen Soldaten um 17.00 Uhr auf der zum Rhein hin gelegenen Seite hinter dem Dom standen, aber nur noch nicht weiter bis zum Rheinufer herunter gegangen waren. Dies wurde dann wohl absichtlich erst in den Schutz der Dunkelheit verlegt.

Auch in den nachfolgenden Wochen war der dortige Rheinufer-Bereich wegen der deutschen Truppen auf der anderen Rheinseite noch Sperrgebiet.

Hier eines der vielen in der Innenstadt aufgestellten Warnschilder, die diesen Sperrbereich entlang des Rheins markierten.

Erst im April wurde dann auch die andere Rheinseite von den Amerikanern eingenommen und damit die Eroberung Kölns militärisch abgeschlossen.

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